Desarrollo Humano Sin Fronteras setzt sich für Menschen in der Welt in Gefahr oder Situation gesellschaftlicher Marginalisierung ein

Daten und Fakten Algerien


Algerien, ein Staat im Nordwesten Afrikas, ist – nach dem Sudan und vor der Demokratischen Republik Kongo - das zweitgrößte Land des afrikanischen Kontinents.


Obwohl Algerien das größte Wirtschaftswachstum in der Region verzeichnet, und die Handelsbilanz einen überschuss durch die Ölexporte aufweist, verschlechtert sich die soziale Situation der Mehrheit der Bevölkerung immer mehr und der Anteil derjenigen, die in Armut leben. Eine Reihe von Naturkatastrophen wie die Überschwemmungen von 2001 und das Erdbeben im Jahr 2003 haben diese Umstände noch verschärft.

Ein Grossteil der Armut ist auf die hohe Arbeitslosigkeit von 30% zurückzuführen. Gründe hierfür sind der grosse Anteil der jugendlichen Bevölkerung und das wenig dynamische Bildungssystem, das sich nur schleppend an die wechselnden Bedürfnisse des Arbeitsmarktes anpasst.


Weitere wichtige Probleme sind die hohen Kosten für Lebensmittel, die sich durch die niedrige inländische Produktion ergeben (Algerien führt 45% ihrer Nahrung ein) und der Zugang zu Wasser. Die Wasserversorgung, die weit unter dem von den Vereinten Nationen festeglegten Niveau des "chronischen Mangels" liegt, ist das schwerwiegnste Umweltproblem Algeriens und Quelle von sozialen Unruhen.


Human Development Index (HDI) 0,75
Lebenserwartung bei Geburt (Jahre) 72,2
Alphabetisierungsrate (% der Menschen 15 und älter) 73,6
BIP pro Kopf 2008 (PPP US $) 4260


Politische Situation


Das algerische politische System ist ein Mehrparteiensystem, dass seit der Unabhängigkeit von der Front de Libération National Nationalen dominiert wird.
Gemeinsam mit ihren bisherigen Partnern in der Regierungskoalition, der FLN-nahen Sammlungsbewegung RND und der gemäßigt-islamistischen MSP stellt sie weiterhin die Parlamentsmehrheit. Die Mehrzahl der Minister der sogenannten "Präsidentenallianz“ wurden nach der Präsidentenschaftswahl am 09.April 2009 von Präsident Bouteflika in ihrem Amt bestätigt.


Die Regierung hat zahlreiche große Projekte in Angriff genommen, darunter die rund 1.200 km lange Ost-West-Autobahn, ein Schnellbahn- und Untergrundbahnnetz in Algier, die Rehabilitierung und den Ausbau des Eisenbahnnetzes, Kraftwerke, Staudämme und Meerwasserentsalzungsanlagen, die Erneuerung des Wasserleitungssystems, ein Programm des sozialen Wohnungsbaus mit rund 1 Million Neubauwohnungen sowie den Bau von 60 neuen Krankenhäusern. Der neue internationale Flughafen in Algier wurde nach langjähriger Bauzeit am 5. Juli 2006 in Betrieb genommen.


Die Stellung der Frau


Generel sind die Beziehungen zwischen Frau und Mann in Algerien in starkem Maße der Tradition unterworfen und mit vielen Tabus behaftet. Zwar hat die Verfassung den Frauen die gleichen Rechte wie Männern zugesichert und Algerien auch die internationalen Konventionen zur Gleichstellung von Mann und Frau unterzeichnet, dennoch wird die Algerierin nicht als vol wertiges Mitglied der Gesel schaft behandelt.


Natürliche Ressourcen und Umwelt


Algeriens grösster natürlicher Reichtum sind seine Bodenschätze, insbesondere Erdöl, Erdgas, Phosphate und Eisen. Auch verfügt Algerien über Kohle, Blei und Zink. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche nimmt nur 3% der gesamtfläche des Landes ein und befindet sich grösstenteils in den Tälern und Ebenen der Küstenregion. Allerdings sind die Böden oft nährstoffarm oder sind leiden unter einer permanenten Überkultivierung.
Bezüglich des Umweltschutzes ist Algerien das fortgeschrittenste Land in der Maghrebregion. Die Regierung verfolgt eine Umweltpolitik, die sich an folgenden Punkten orientiert: verstärkte Anwendung von Umweltmanagementsystemen, Kontrolle der industriell verursachten Umweltverschmutzung, besondere Berücksichtigung von Sondermüll, Sanierung derWassereinzugsbecken Oued El Harrach und Oued Deybouse und das verbesserte Risikomanagement in industriellen Gefahrenbereichen und Schutz der Ozonschicht.
Die Wasserknappheit stellt aber das weitaus grösste Problem dar. Das zunehmendknappe Grund- und Oberflächenwasser wird durch Abwasser und Abfälle verschmutzt; die Küstengewässer leiden unter der dichten Bebauung der Küstenregionen. Die Wasserverschmutzung durch die Industrie ist insbesondere an der Ostküste ausgeprägt, vor allem in der Nähe von Annaba und Skikda.

Gesundheit

Das algerische Gesundheitswesen hat in den vergangenen Jahren konstant an Qualität verloren. Obwohl eine nahezu flächendeckende Infrastruktur existiert, reicht die personelle und materielle Ausstattung nicht aus. Auf 1.000 Einwohner kommen 2,1 Krankenhausbetten und ein Arzt und nur 9,5 % der Staatsausgaben fliesst in das Gesundheitssystem.


Angesichts der finanziellen Möglichkeiten, über die das Land verfügt, betrachtet die Bevölkerung dies als unhaltbaren Zustand. Die Versorgung in privaten Kliniken ist für die algerischen Familien zu teuer. Seitdem Algerien Transitland für Flüchtlinge aus dem subsaharischen Afrika auf deren Weg nach Europa ist, steigt auch die Zahl der HIV-infizierten Personen an.


 


Eine amerikanische Studie veröffentlichte, dass 10 bis 12 % der algerischen Bevölkerung an psychischen Störungen leiden. Der algerische Bürgerkrieg der neunziger Jahre zwischen den Zivilbürgern und bewaffneten Gruppierungen ist hierfür ein wichtiger Auslöser. Zwischen 100 000 und 200 000 Menschen sind damals ums Leben gekommen und 200 000 sind verschwunden. Frauen wurden vergewaltigt. Viele Menschen haben Massaker miterlebt, sie wurden verletzt und lebten unter der ständigen Angst von Angriffen.  Hinzu kommen die prekären sozioökonomischen Lebensbedingungen in Algerien wie Armut, Arbeitslosigkeit und die Wohnkrise, die Auslöser psychischen Leidens sind.

Bildung


Die Sdchulbildung ist in Algerien kostenlos. Seit 1975 gilt eine gesetzlich geregelte neunjährige Schulpflicht. Vor allem im Landesinnern jedoch werden Mädchen ihrer Bildungschancen beraubt. Seit einigen Jahren versucht die Regierung, durch bessere Lehrerausbildung und strengere Zulassungskriterien die Qualität des Unterrichts zu verbessern. Die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss wächst dennoch von Jahr zu Jahr. Alphabetisierungsprogramme für Erwachsene und eine höhere Einschulungsrate bewirkten in den letzten Jahrzehnten ein langsames Absinken der Analphabetenrate auf mittlerweile 22 % bei Männern und 40 % bei Frauen.



Den Universitäten fehlt das Geld, um die vor allem nach Frankreich abgewanderten Dozenten zurück zu holen und den Studenten eine westlichen Ansprüchen gerecht werdende Ausbildung zu gewährleisten.