Desarrollo Humano Sin Fronteras setzt sich für Menschen in der Welt in Gefahr oder Situation gesellschaftlicher Marginalisierung ein

Daten und Fakten Madagaskar


Madagaskar ist ein Inselstaat im Indischen Ozean, der durch den Kanal von Mosambik von der Ostküste Afrikas getrennt ist. Er ist nach ist nach Grönland, Neuguinea und Borneo die viertgrößte Insel der Welt (anderthalb Mal so groß wie Deutschland) und gehört zu den artenreichsten Regionen auf der Erde. Madagaskar ist trotz seiner vielfältigen natürlichen Ressourcen und seiner Entwicklungspotenziale im Agrarsektor, im Tourismsbereich und im Bergbau eines der ärmsten Länder der Welt.


Als Madagaskar 1960 seine Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Frankreich erlangte, zählte der Inselstaat zu den Ländern mit mittlerem Einkommen. Ab 1972 richtete sich das Land sozialistisch aus und schottete sich gegen die westliche Welt ab – der wirtschaftliche und soziale Abstieg des Landes begann. Heute zählt es zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt.


Armut und schwierige Lebensbedingungen sind Realität für einen Grossteil seiner 19,6 Millionen Einwohner (UNICEF, 2007), die mit Herausforderungen wie Überschwemmungen, Wirbelstürmen und der weitverbreiteten Mangelernährung zu kämpfen haben. Der Human Development Index (HDI) betrug im Jahr 2007 0,543, was Madagaskar den 145sten Platz auf einer Liste von 182 Ländern mit verfügbaren Daten (UNDP Human Development Report, 2007) verschaffte. Derzeit leben 68% der Bevölkerung unterhalb der internationalen Armutsgrenze von US $ 1,25 pro Tag, sind arbeitslos und leiden Hunger.


Human Development Index (HDI) 0,54
Lebenserwartung bei der Geburt (Jahre) 59,9
Alphabetisierungsrate (% , 15 Jahre und älter) 70,7
BIP pro Kopf (PPP US $) 932
% Der Bevölkerung mit verbesserten Trinkwasserquellen, 2006, insgesamt 47

Quellen: UNDP und UNICEF


Politische Situation

Madagaskar befindet sich seit Anfang des Jahres 2009 in einer politischen Krise. Nach einer Vielzahl von gewalttätigen Demonstrationen gegen die Regierung des damaligen gewählten Presidenten Marc Ravalomanana, wurde dieser am 17.03.2009 durch einen nicht verfassungsmässigen Machtwechsel von seinem Oppositionsführer und früheren Bürgermeister der Hauptstadt, Andry Rajoelina, abgelöst. Als "Präsident einer Hohen Übergangsmacht" übt dieser nun die de facto – Herrshaft in Madagaskar aus. Gut ein Jahr, nachdem sich Andry Rajoelina – gerade einmal 34 Jahre alt, erfolgreicher Unternehmer und ehemaliger DJ durchgesetzt hat, ist die Begeisterung vieler Madagassen abgekühlt. Das Land wurde isoliert, wodurch sich die Armut unter den Bürgern erheblich verschlechtert hat.


Wirtschaftliche Situation


Die Wirtschaft Madagaskars wird vom Agrarsektor dominiert. Die Landwirtschaft ernährt mehr als drei Viertel der Bevölkerung, trägt jedoch nur etwa 16 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Auf 87 Prozent der Agrarflächen wird Subsistenzwirtschaft betrieben. Ein großes Problem sind die Bodenerosion und die Versandung der Felder. Konnte Madagaskar in den 1970er Jahren noch Reis exportieren, reichen die Erträge heute nicht mehr zur Selbstversorgung der Bevölkerung aus. Die Vermarktung scheitert zudem häufig an Transportproblemen: Die Infrastruktur ist, vor allem in den ländlichen Gebieten, in einem sehr schlechtem Zustand. Ganze Regionen sind während der Regenzeit von Verkehrswegen und Kommunikationsnetzen abgeschnitten. Auch die Energieversorgung muss dringend ausgebaut werden (BMZ).


Situation der Kinder und Jugendlichen

Armut und harte Lebensbedingungen sind das täglich Brot vieler malgassischer Kinder und Jugendliche. Seit dem Sturz des ehemaligen Präsidenten Marc Ravalomanana ist die Anzahl der arbeitenden Kinder um 25 Prozent gestiegen. 2 Millionen Kinder unter 15 Jahre arbeiten täglich anstelle sich auf die Schule zu konzentrieren, so ein Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).


Nur 50% der Haushalte haben Zugang zu sauberem Wasser und 3% verfügen über funktionierene Sanitäranlagen. Dies führt insbesondere bei den Kindern zu einem erhöhten Risiko sich mit ansteckenden Krankheiten zu infizieren und verursacht, verstärkt durch die weitverbreitete Mangelernährung, zu einer Kindersterblichkeit, die bei 7 Kindern (< 1. Lebensjahr) pro 1000 neugeborene liegt.

Behinderung

In Madagaskar werden bislang noch keine Routine-Statistiken über das Thema Behinderung erhoben. Die genaue Zahl der behinderten Menschen und die Art ihrer Behinderung ist demnach nicht bekannt. Entsprechend Schätzungen der WHO allerdings, beläuft sich die Zahl auf 10% der nationalen Bevölkerung.

In einem Land wie Madagaskar, wo das Gesundheitssystem nicht auf die Behandlung von Personen mit Behinderungen ausgerichtet ist und wo das Bewusstsein und die Mittel für vorsorgende Massnahmen während der Schwangerschaft fehlen, ist der Anteil der Menschen mit Behinderungen in der Gesamtbevölkerung höher als in Deutschland oder anderen europäischen Ländern.


Wahrnehmung von Behinderung Madagaskar

Darüber hinaus ist die Behinderung in der madagassischen Kultur sehr negativ besetzt und somit wenig akzeptiert. Sie wird als eine Strafe und als Ergebnis von Hexerei oder eines Fluches gesehen. So kommt es, dass viele Personen mit Behinderungen in Situation oder Gefahr der gesellschaftlichen Ausgrenzung leben.

Für die betroffenen Familien stellt die Behinderung eines ihrer Mitglider ein beträchtliches "Gewicht" dar, dass Auswirkungen sowohl auf sozialer als auch finanzieller Ebene hat (handi-gasy.org).

Schulbildung

76% der madagassischen Kinder besuchen die Grundschule (2007), und nur 36% beenden sie auch (UNICEF). Allerdings macht Madagaskar gute Fortschritte bei der Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele 2 und 3, nämlich, bei der Verbesserung der allgemeinen Grundschulbildung und der Beseitigung der geschlechtsspezifischen Unterschiede im Grund-und Sekundarbereich (UNGEI).

Zum Kampf gegen die prekäre Situation im Bildungswesen, hat die madagassische Regierung im Jahr 2005 den nationalen Plan "Bildung für Alle" ins Leben gerufen, der auch Menschen mit Behinderungen mit einbezieht. Obwohl in den letzten Jahren eine Verbesserung der Bildungssituation erreicht worden ist, sind allerdings die Menschen mit Behinderungen bisher nicht betroffen. Da die Regierung Behinderung nicht als ein vorrangiges Thema behandelt, geht nur eine Minderheit der Personen mit Behinderungen zur Schule oder erhält eine Spezialausbildung.


Hochschulbildung


Nach dem Abitur können die jungen Madagassen mit Hilfe von Stipendien, ihrer Familien oder studentischen Aushilfetätigkeiten ein Studium an verschiedenen öffentlichen oder privaten Hochschulen aufnehmen, wobei letztere in der Regel Kindern finanziell gut situierter Familien vorbehalten sind. Die privaten Hochschulen widmen sich überwiegend sozialen und wirtschaftlichen Studiengängen. Die staatliche Universität ist in den sechs Städten Antananarivo, Antsiranana, Fianarantosa, Mahajanga, Toamsasina und Toliara angesiedelt, wobei Antananarivo das breiteste Fachspektrum anbietet.


Stellung der Frau

Die Madagassische Regierung unterstützt und fördert die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen. Laut der Verfassung sind Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts verboten.In der Praxis sind jedoch die Mittel für Strategien und Maßnahmen zum Schutz der Frauen in einigen Bereichen immernoch begrenzt.


Die Rolle der Frau ist traditionell geprägt von ihrer zentralen Position in der Familie. Obwohl schon bedeutende Verbesserungen ihres Bildungsniveaus erreicht worden sind, liegt  die Analphabetenquote der Frauen noch um einiges höher als die der Männer (34,7% versus 24,5% ). In Wirtschaft und Verwaltung sind Frauen noch in der Minderheit. Ihre Erwerbsquote liegt bei 40 % im Vergleich zu 52% bei den Männern. Auch verdienen sie


bei gleicher Arbeit etwa ein Drittel weniger als ihre männlichen Kollegen. Im Parlament und in der Regierung sind Frauen weiterhin stark unterrepräsentiert.


Gesundheit

Mit einem Arzt pro circa 3000 Einwohner sind die medizinische Versorgung, und damit der Gesundheitszustand in Madagaskar deutlich unzureichend. Hinzu kommt, dass die meisten Ärzte in den wenigen urbanen Gebieten angesiedelt sind. Unzureichende Infrastrukturen, Armut und Unterernährung erleichtern den Ausbruch von tropischen Krankheiten und Epidemien, darunter vor allem Malaria, Tuberkulose, Hepatitis, Grippe, die periodisch wüten. Eine große Bedrohung stellt HIV/Aids: zwar wird die Infektionsrate auf noch unter 1% geschätzt, doch die besorgniserregende Verbreitungsrate der letzten 15 Jahre rechtfertigen ausgeklügelte Pläne für deren Bekämpfung.


Umwelt

Vor 165 Millionen Jahren trennte sich Madagaskar von Afrika und vor 80 Millionen Jahren, am Ende der Kreidezeit, von Indien. Durch seine lange Isolierung konnten sich hier Fauna und Flora unabhängig von Arten des afrikanischen und asiatischen Festlandes entwickeln, was zu der biologischen Einzigartigkeit und Vielseitigkeit auf der Insel führte. Heute sind rund 80% der madagassischen Tier- und Pflanzenarten endemisch, von denen die Lemuren sicherlich die Bekanntesten sind.


Wenn auch Madagaskar für seine seltsamen Tiere und schönen Wälder bekannt ist, so hat doch ein Großteil des Landes schwere Umweltschäden erlitten. Viele Regenwälder der Insel wurden abgeholzt und wertvoller Mutterboden, wichtig für den Anbau von Feldfrüchten, verschwindet durch Erosion. Da Madagaskar zu den ärmsten Ländern der Welt zählt, ist das Tag für Tag Überleben der Menschen abhängig von der Nutzung natürlichen Ressourcen .


Zu Madagaskars wichtigsten Umweltproblemen gehören:


Rodung und Zerstörung von Lebensräumen


Landwirtschaftliche Brände


Erosion und Verschlechterung der Bodenqualität


Zu hohe Ausbeutung


Zu hohe Ausbeutung der lebenden Ressourchen einschließlich der Jagd und Sammlung von Arten aus der Natur


Einführung fremder Arten


Um den inmensen ökologischen und sozioökonomischen Folgen Einhalt zu gebieten, der madagassische Staat den Umweltschutz als eine der 8 Prioritäten in den Madagascar Action Plan, Madagaskars Entwicklungsplans, der in Anlehnung an die Millenium Entwicklungsziele erarbeitet wurde. Ziel ist, die 9 Millionen Hektar Wälder und Wassergebiete für den Schutz der natürlichen Ressourcen zu erhalten, und die Fläche der Naturschutzgebiete zu verdreifachen. (inwent)